„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier ...“

Das kleine Sprüchlein ist wohlbekannt. Warum aber gibt es diese vier Sonntage? Welche Bedeutung haben sie?

Advent = Ankunft ist in christlicher Tradition die Zeit der inneren und äußeren Vorbereitung auf die Geburt Jesu. Zugleich gilt sie als Erinnerung, dass die „zweite Ankunft“ (Wiederkunft) Christi noch erwartet wird.

Schon sehr früh (4. Jhd.?) gilt die Adventszeit als eine Fastenzeit. Beginnend nach Martini (11.11.) reicht sie bis hin zum Fest der Erscheinung des Herrn (06.01.). In ganz früher Zeit und bis heute in der östlichen Kirchentradition wird Weihnachten an diesem Tag gefeiert. Ab dem 7. Jahrhundert bezieht sich allmählich Advent auf die Wochen vor dem Weihnachtsfest (25.12.). Gregor der Große legte die Zahl der vier Sonntage fest. Sie symbolisieren 4000 Jahre, die nach damaligem Weltbild zwischen „Sündenfall“ und „Erlösung“ (Geburt des Erlösers) liegen. Mit ihren theologischen Gedanken, an den Lesungen erkennbar, bereiten die vier Sonntage den Weg zum Christfest.

Der Spruch für die Woche ab 1. Advent („Der kommende Herr“) weckt Aufmerksamkeit: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer (Sacharja 9, 9b) „Siehe“ – im biblischen Erzählen wird damit das Besondere eingeleitet. Mensch, nimm wahr, was geschieht. Was die Augen sehen, soll tief in das Innere, soll zu Herzen gehen. Psalm 24, als Psalm des Sonntags, schildert die Erde als GOTTES Eigentum und mündet in einen Wechselgesang am Eingangstor des Tempels, der beschreibt, wie GOTT Seinen Einzug dort hält. Die so genannte „alttestamentliche Lesung“ erzählt das Kommen eines Königs, der Frieden bedeutet. (Sach. 9, 9 + 10) Eine weltpolitische Hoffnung, die sich durch Jahrtausende zieht.

In der Brieflesung (Röm. 13, 8 - 12) erklärt Paulus wie ein Leben, das in der Liebe GOTTES wurzelnd, selbst zur Liebe wird. Das erste Adventsevangelium beschreibt den „Einzug Jesu in Jerusalem“ (Matth. 21, 1 - 9). Das Wochenlied (EG 4 oder 11) greift das Bild von Kommen und Empfangen auf.

Der 2. Advent („Der kommende Erlöser“) und sein Wochenspruch weisen auf heilende Folgen der erwarteten Ankunft. Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21, 28) Geht der Blick hoffnungsvoll Richtung Erlösung, dann erhebt er sich aus beklagenswerter Gegenwart und hält Ausschau nach der Heil bringenden Zukunft. In Psalm 80 schreit Israel nach GOTT. ER möchte doch bitte umkehren zu Seinem Volk, so wie auch das Volk den Weg zu IHM neu sucht. GOTT möge Sein Angesicht wieder leuchten lassen. Die Worte der AT-Lesung zeigen ähnliches Verlangen, Hoffen und Schreien nach GOTT und Seiner Hilfe in Israels schwerer Gegenwart. ER möge den Himmel zerreißen und endlich wohltun denen, die auf Ihn harren. (Jesaja 63, 15 - 64, 3) Die Epistel (= Brieflesung, Jakobus 5, 7 - 11) antwortet auf drängende Hoffnung und erinnert an die Geduld, die jeder Bauer aufbringt, wenn er auf den Frucht bringenden Regen wartet. Im Evangelium (Lukas 21, 25 - 33) ermutigt Jesus die Jünger und bekräftigt: GOTTES Reich ist nahe. Jesu Worte geben seinen Nachfolgenden Bestand. Im Wochenlied (EG 7 oder EGE 8) wird drängendes Hoffen und tiefe Erlösungssehnsucht vor GOTT gebracht.

Die Woche nach dem 3. Advent („Der Vorläufer des Herrn“, Johannes, der Täufer) setzt einen neuen Akzent: Vorbereitung auf das Kommende. Innere, aber auch äußere Vorbereitung bahnt Wege. So sagt der Wochenspruch: Bereitet dem HERRN den Weg, denn siehe, der HERR kommt gewaltig. (Jesaja 40, 3 + 10) Einst ging es um die Heimkehr des in die Fremde geführten Volkes Israel in sein Land. Zugleich wird auf die „Heimkehr“ = Umkehr zu GOTT angespielt. Psalm 85 ruft nach GOTT und erbittet Seine Abkehr von Zorn und Ungnade. Auch das so genannte „Benedictus“ (= Lobgesang des Zacharias, Lukas 1, 68 - 79) kann als Psalm gebetet werden. Die Treue GOTTES in der Geschichte Seines Volkes Israel wird beschrieben. Eine Treue, die sich nun im neu geborenen Kind erneut zeigt. In großer Bildsprache beschreibt die AT- Lesung (Jesaja 40, 1 - 11) doppelte Heimkehr Israels - zu GOTT und in das Heimat- land. GOTT ruft: „Tröstet mein Volk“. ER und Sein Volk finden neu zueinander. In der Brieflesung (1. Korinther 4, 1 - 5) weist Paulus in die Zukunft: Wenn Christus kommt, wird offenbar, wird erkennbar sein, was bisher verborgen geblieben ist. Als Evangelium (Lukas 1, 68 - 79) erklingt der große Lobgesang des Zacharias, des Vaters von Johannes, dem Täufer. Auch das Wochenlied (EG 10 oder 16) thematisiert Erwartung, Vorbereitung, Einstellung auf das Kommende.

Mit dem 4. Advent („Die nahende Freude“) nimmt die letzte Adventswoche ihren Anfang. Die Nähe zum bevorstehenden Christfest wird im Wochenspruch (Philipper 4, 4f.) deutlich. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe. Psalm 102 schildert GOTTES Nähe und Seine Hilfe allen, die auf IHN hoffen. Den sterblichen Menschen ist ER Retter aus aller Todesnot. Das „Magnificat“ (= Lobgesang Marias) ist ebenfalls als Psalmlesung möglich. Es preist GOTTES wunderbares Handeln, Rettung und Hilfe für alle Notleidenden. Die AT-Lesung (Jesaja 62, 1 - 5) beschreibt GOTTES da sein in Bedrängnis und die Freude, die GOTT wieder an Seinem Volk Israel hat, so wie ein Bräutigam sich seiner Braut freut. Die Epistel (Philipper 4, 4 - 7) entfaltet die Freude, die im Kommen des Herren liegt. In ihr kann alle Sorge vertrauensvoll GOTT anbefohlen werden. Das Evangelium (Lukas 1, 26 - 56) begleitet Maria auf ihrem Weg und führt von der Verkündigung hin zur Begegnung mit Elisabeth, der Mutter von Johannes, dem Täufer. Zwei Frauen in gesegneten Umständen freudiger Erwartung des Kommenden begegnen sich. Im Wochenlied (EG 9 oder 19) wird die Freude besungen.

Die vier Adventssonntage führen zum Christfest, von dem die altkirchliche Tradition sagt: Das einst „verlorene“ Paradies steht wieder offen. Mit diesem Gedanken hat Nikolaus Hermann gedichtet: Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis, Gott sei Lob, Ehr und Preis! (EG 27, 6)

Gesegnete Adventstage wünscht Johanna Melchior Pfarrerin