Gertraudtenstr.1
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"Liebe Cottbuserinnen und Cottbuser, liebe Gäste! Die Oberkirche ist mindestens so alt wie Cottbus selbst. In der ersten urkundlichen Erwähnung von Cottbus von 1156 sind Kirche, Markt und Burg genannt. Was hat die Oberkirche in diesen knapp tausend Jahren nicht alles erlebt! In den letzten Monaten alle vierzehn Tage dienstags menschenverachtende Reden. 1989 wurde die Oberkirche für Friedensgebete geöffnet, damit auch Minderheitsmeinungen frei geäußert werden können. Die Oberkirche ist meine Predigtkirche. Heute Abend mahnt die Oberkirche gegen die Gottlosigkeit, die Menschen ausgrenzt und ihnen das Recht abspricht, für das eigene Leben eine Perspektive ohne materielle Not und existentielle Angst zu suchen." Superintendentin Ulrike Menzel bei der Kundgebung des Cottbuser Aufbruchs 19. September 2017

1356 besteht die Parochialkirche (Amtskirche) in Cottbus aus 2 Kapellen. Die möglicherweise als Beerdigungskapelle genutzte "capella trium regum" und der "capella beate virginus" Kapelle der heiligen Jungfrau. Ein sonstiger Kirchenbau des 12. und 13. Jahrhundert ist archäologisch nicht nachgewiesen. Der Name Marienkapelle ist bis heute im Gebrauch für einen Raum im südlichen Anbau der Oberkirche.


                                                          Foto: Ev. KG St. Nikolai Christus in der Mandorla

Das älteste schriftliche Dokument im Stadtmuseum Cottbus sagt, dass 1386 eine aus Landadel und Ratsmännern bestehende Mariengesellschaft, einen Altar stiftete. Die zwei Stufen die heute hinab führen und gen Osten liegen, könnte einem mittelalterlichen Altar Platz geboten haben. Knieten die Gläubigen an dieser Stelle, vor ihrem gestifteten Schnitzwerk und wo ist es geblieben? Wenn ja, erblickten sie über sich an der Decke das Bildnis von Christus thronend, lächelnd, die Wundmale an den  Händen hebend, ein Bild des Trostes auf den Tag: an dem die Witwe gerächt wird und der Waise klagen kann, und (wie auch) der Arme, von der Gewalt die man ihm angetan.                                        
Walther von der Vogelweide Palästinalied

1468 nach dem Stadtbrand wird der Neubau des Kirchenschiffes vermutet..."Die Cottbuser Pfarre an derselben Stadtkirche eine der reichsten Pfründen in der Lausitz war, und sie der Pirnaische Mönch eine wichtige, tapfere Pfarre nennt. Sie war wie die meisten Kirchen hiesiger Gegend, dem heiligen Nikolaus gewidmet, welchen Namen sie in einer Urkunde 1518 führt. Die Andacht hatte eine Menge Altäre in derselben gestiftet. Man zählte über 40...Sonst sind weiter keine Documente darüber bekannt". Zitat: Neues Lausitzisches Magazin, erster Band erstes Heft 1821


Foto: Freskomalerei am südlichen Pfeiler im Chorumgang (hinter der Altarabsperrung). Noch zu erkennen sind die Attribute (Kennzeichen) des Heiligen: der Nimbus (Heiligenschein), der Taustab (Stab mit T-förmig ausgebildetem Kopfteil), ein Glöckchen zur Warnung, ein Vogel auf der Schulter, ein aufgeschlagenes Buch und der Wolf zu seinen Füßen (nicht auf dem Foto).

Wann der große polygonale Chorumgang (De-) Ambulatorium(von lateinisch ambulare = gehen) fertig war ist nicht überliefert. Üblicherweise hatte er eine liturgische Funktion als Prozessionsgang der Kleriker und Ministranten. Genutzt wurden große Kirchenbauten im Mittelalter oft für zahlreiche Pilger, die sich zu religiösen Feierlichkeiten oder Marienwallfahrten einfanden. Über einen speziellen Eingang des Seitenschiffes konnten sie in die Kirche kommen, ohne dass sie die Messe störten. Sie zogen dann um den Chor herum und über das gegenüberliegende Seitenschiff wieder hinaus. Dabei führte ihr Weg oft an zahlreichen Altären und Heiligenbildern vorbei, zu deren Verehrung sie gekommen waren. An diesen Ein- und Ausgängen entdeckt der aufmerksame Betrachter heute noch, näpfchenförmige kreisrunde Eintiefungen, Rillen und Einbuchtungen im Mauerwerk.


                                                                     Foto: Ev. KG St. Nikolai Detail vom südlichen Außenpfeiler

1522 gehört Johannes Briesmann (*1488 in Cottbus, Franziskaner, evangelischer Bischof von Samland, †1549) zum Lehrkörper der Wittenberger Universität, wird aber noch im gleichen Jahr ausgewiesen und kommt daraufhin in seine Heimatstadt Cottbus zurück, um in der Klosterkirche lutherisch zu predigen. Wie haben die Cottbuser auf diese Predigt reagiert? Leider gibt es keinen Bericht darüber. Genauso, ob das Abendmahl bereits in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) ausgereicht wurde. Was aber überliefert wurde, ist Briesmanns Schrift "Unterricht und Ermahnung Doct. Johannis Briesmanns Barfüßer Ordens an die christliche Gemeinde zu Cottbus", die der Reformator 1522 in Wittenberg drucken ließ. 1573 wurde das Franziskanerkloster der Stadt aufgelöst. Von dort kam eine Ausgabe dieser Schrift (aus dem Besitz des Reformators mit seinen handschriftlichen Anmerkungen versehen) in die Kirchenbibliothek der Oberkirche. Zuletzt in Cottbus und öffentlich zu sehen war sie 1987. Eine neue Abschrift erschien 2017 im Sonderheft der Cottbuser Blätter, im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum.

In der Kirchenbibliothek der Oberkirche, hat sich auch eine der ersten deutschen Bibeln vor Martin Luther, Band II, Augsburg 1507, gedruckt bei Johann Ottmar, erhalten (Foto). Von der ursprünglichen Ankettung an Pulten ist noch ein Teil der Originalkette erhalten. Die schwer beschädigte Bibel ist aus der Kirchenbibliothek in Cottbus. Sie wurde bereits 1985 mit hohem Aufwand restauriert und ist als Leihgabe Teil der Ausstellung im Brandenburger Dommuseum. Dort entsandt das Foto 2005 zur Ausstellung: "1000 Jahre -Christentum in Brandenburg". >>Wo aber andere Ewange/ij Bucher/ auch die Bibel! alt vnd New Testament Iateynisch vnd teutsch die hieuor im geprauch gewesen / vnnd vom Lutter nicht verteutschet vorhanden / vnd bey den Iewtten weren / Dieselben wollen wyr zukeuffen vnd zulesen / hiermit nicht gemeynet/ oder vorbotten haben<<
Zitat: Edikt des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. von 1524 gegen Luthers Bibelübersetzung


                                                               Foto: privat/Dommuseum Brandenburg Kettenbibel aus Cottbus

31.05.1537 "am Frohnleichnamstage wurden die zwei ersten evangelischen Prediger M. Joh. Mantellus und J. Ludecus beide von Cottbus gebürtig, öffentlich eingeführt. Rath und Bürgerschaft zogen in Prozeßion vom Rathause in die Oberkirche aus welcher die noch übrigen Katholiken vertrieben wurden. Der ganze Tag wurde sehr feierlich zugebracht, zum Andenken dieses Tages wird am Frohnleichnamstage noch bis jetzt eine Predigt gehalten".  Durch den ersten lutherischen Gottesdienst mit Abendmahl in der Oberkirche, ist durch Markgraf Johann (Hans von Küstrin) die Reformation durchgeführt.


                                                             Foto: Ev. KG St. Nikolai Bibliothek der Oberkirche in der Ausstattung um 1870

Nach 1537 wird der größte Teil der heute erhaltenen Inkunabeln (Drucke aus der Entstehungszeit des Buchdruckes) und Postinkunabeln (alte Drucke von 1501 bis ca. 1535/40) aus der Klosterkirche in die Kirchenbibliothek der Oberkirche gebracht.

Im Jahr 1600 löst ein brennender Kerzenrest in der Mühlenstraße, am 3. September, eine unvergleichliche Feuersbrunst aus, die die ganze Stadt heimsucht. Ein Verschulden konnte nicht nachgewiesen werden. Chronik der Stadt Cottbus

1605 wird ein neues Orgelwerk errichtet, welches 32 Registerzüge besitzt und bis 1797 im Gebrauch ist. 1678 wird es von Christoph Junge, dem bedeutenden Orgelbauer aus Dobrilugk, repariert und durchgreifend umgestaltet.

17.02.1621 ist in Got/selig entschlaffen die edle viel ehren tugendreiche Frau Anna Maria geborne / Minkwizin H Nicolas von Gersdorf auf Teichnitz und ohna Kegenhandlers in Oberlausnitz ehliche Hausfrau Ihres Alters 23 Jahr, die bei ihren Verwandten zu Besuch war, als sie plötzlich durch den Tod dahingerafft wurde.


                                                            Foto: Ev. KG St. Nikolai Begräbnisstätte unter dem Fußboden der Oberkirche

1667 beginnen die Aufzeichnungen über die Einnahmen aus Leichen- und Begräbnisgebühren. Im Jahr 1878 wird ein eigenes Lageverzeichnis der Begräbnisplätze in der Oberkirche angelegt. 

…Und biß hieher mochte diese Gruft ein Grab genennet werden doch numehr verdienet sie einen andern Titel nachdem der Tod  derer Seelen auch albereit im Himmel bey einander Leben, und so sind die welche beyde holdselig und lieblich in ihrem leben gewesen auch im tode nicht geschieden. du, mein wandersman wünsche Beyden Glück darzu und lerne zu gleich von diesen Todten wie du die Lebendigen biß in den Todt lieben solltest.  Grabsteins des hoch verdienten Burgermeister Albertus Fritze und seiner Wohl Edlen und Tugendbegabten Frau Margareta vom 26.sten Marty, 1697

1653 am ersten Advent hält der Pfarrer Otto Praetorius (*1609) Spross einer alten Pastorenfamilie, seine Antrittsrede. Sein um 1520 in Cottbus geborener Urgroßvater, der Theologe und Schriftsteller Peter Praetorius, war ein Schüler Melanchthons. Nach dem Gymnasium in Cölln an der Spree begann Otto Praetorius ein Theologiestudium in Wittenberg. Danach wurde er Pfarrer in Waltersdorf. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg berief in seiner Eigenschaft als Patron der Cottbuser Oberkirche Praetorius als Oberpfarrer und Inspektor nach Cottbus. Bis 1664 fungierte er gleichzeitig als Superintendent. Ihm verdankt die Oberkirche den wertvollen Hochaltar von Andreas Schultze aus Torgau. Der alte, von Lichtenfelser aus Zittau 1574 errichtete Altar, war beim großen Stadtbrand im September 1600, ein Raub der Flammen geworden. An der Nordwand der Oberkirche findet der Besucher das Grabmal, das eine Büste des Oberpfarrers Praetorius ziert.


                                                            Foto: Ev. KG St. Nikolai Detail der Grabplatte für Otto Praetorius

1661 fertigt Andreas Schultze ein in der Niederlausitz bereits tätiger Künstler einen neuen Altar und eine Kanzel an.


              Foto: Ev. KG St. Nikolai Akte der Superintendentur Cottbus


Foto: Ev. KG St. Nikolai Oberkirche gemalt von der Sandower Malerin Elisabeth Wolf im Besitz des Stadtmuseum Cottbus

1671 ein Stadtbrand zerstört die Turmhaube 

1685 ist eine neue barocke Turmhaube fertig und wird aufgesetzt

1729 die Mauern des Friedhofes an der Oberkirche werden niedergerissen, weil sie die Wachparaden behindern. Die Sandower Malerin Elisabeth Wolf  zeigt in einem historisierenden Bild von der Oberkirche, wie der alte Friedhof ausgesehen haben mag. In den letzten Jahren erlaubten archäologische Untersuchungen am Oberkirchplatz neue Eindrücke. Zwei Grabkammern bargen Reste von Bestattungen mit Beigaben wie einer Holzschatulle oder eines Rasierpinsels. An anderer Stelle wurden sieben Bestattungen übereinander nachgewiesen, sowie Bestattungen in christlicher Tracht des 12. Jahrhunderts.  

1794 Am 24. Mai stirbt Diakon Johann Gottlieb Seifert nur einen Tag nachdem er wegen gesundheitlicher Schwäche und mittelmäßiger Einkünfte beim Magistrat um Entlassung gebeten hatte. Dieser beschließt drei tüchtige Subjecte zur Probe anzustellen. 9 Bewerbungen gehen auf die freie Pfarrstelle ein. Ein 29 Jahre junger Mann Johann Gottfried Schütze (*1765 - ), der in Berlin als Hauslehrer tätig ist und sein Theologiestudium in Halle absolviert hatte, bewirbt sich mit Empfehlung von Königin Friederike nach Cottbus. Ein anderer Kandidat hatte sich die Zusicherung einflussreicher Personen für diesen Posten gegeben lassen. Die Bürger von Cottbus ihrerseits wollten einen ganz anderen, nämlich Pfarrer Paulinus aus Kahren an der Oberkirche sehen und reichten eine Petition mit 133 Unterschriften ein. Bis zum Michaelistag (29.09) sollte die Sache abgeschlossen werden. Am 10. Oktober 1794  wird der Magistrat durch Schreiben des Königs aufgefordert, unverzüglich Schütze in das Amt einzuführen nachdem er mit gutem Anstand deklamativ und aktiv, seine Probepredigt vorgetragen hatte. Bis 1809 hat er die 3. Pfarrstelle inne und wird dann bis 1816 Superintendent.                        Quelle: Pfarrer Rohde für den Cottbuser Heimatkalender

1892 Neuausstattung der Oberkirche mit Emporen, Vergrößerung der Kirchenfenster und neues Gestühl.

1893 - 1918 erfolgt die Begründung einer eigenen Parochie in Sandow

1896 bricht über dem Kirchenchor das Dach zusammen. Im Jahre 1903 und 1904 fallen größere Steinmassen auf die Straße herunter.

27.09.1909 Regierungsbaumeister Witt und Dipl. Ing. Dr. Mäckelt stellen ein Bauprogramm für die Wiederherstellungsarbeiten an der Oberkirche in Cottbus auf. Zitat: „Die darin vorgeschlagenen Arbeiten entsprechen im allgemeinenden seiner Zeit.“ Punkt IV enthält die Abänderung der Glockenaufhängung sowie die „Freilegung und eventuelle Ergänzung und Befestigung des Glockenstuhles“. Dazu den Vorschlag:. „zum Umguss der kleinsten Glocke zur Erzielung eines harmonischen Geläuts nach einem Gutachten vom 25.08.1909 (Tagebuch Nr. 739/09)

25.09.1909 Der Glockengießer Franz Schilling in Firma Karl Friedrich Ulrich in Apolda erhält den Auftrag zur Lieferung von zwei Glocken „e“tief 1100 kg und „g“ tief 650 kg sowie vier Joch von Eisen, 4 Klöppeln, 4 Riemen nebens Schrauben, 4 Paar Lagerungen und vier Läuteschwengel mit Eisenteil System Schilling, ferner einen Glockenstuhl aus Schmiedeeisen von ungefähren Gewicht von 4000 kg. Für alle Lieferungen und Leistungen wird eine Akkordsumme von 8370 Mark vereinbart.


                                                             Foto: Foto: Ev. KG St. Nikolai Deckblatt des Glockenvertrages

18.10.1910 Das Geläut der Oberkirche erhält 2 Glocken. Die größere ist von Kaufmann Otto F r i e d l a n d gestiftet worden. Sie trägt die Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“.


                                                             Foto: Ev. KG St. Nikolai

1910 Die Finanzlage der Kirchenkasse gibt die Ausführung aller dringend wünschenswerten Arbeiten nicht her. Der kleine Restaurationsfond von ca. 23.000 Mark wird nach Abzug der Kosten für das neue Geläut, zunächst zur Umdeckung bzw. Erneuerung des Kirchendaches gebraucht.


                           Foto: Ev. KG St. Nikolai Wochenmarkt an der Oberkirche

03.05.1910 Das Komitee zur Wiederherstellung der Oberkirche ruft in der Zeitung alle Bürger, die Liebe zur Oberkirche als zu ihrem Gotteshaus haben, zu freiwilligen Gaben, zu einem gewiss schönen Werke auf.


                                                           Foto: Ev. KG St. Nikolai

1910/11 Die Restaurierungsarbeiten werden abgeschlossen. Fortan ist die Oberkirche auf jeder Darstellung an dem markanten Zipfel ihrem Dachreiter zu erkennen.


Juli 1914 "Der Oberkirche wird eine Kopie des Thorwaldsen-schen Christus aus carrarischem Marmor mit Sockel gestiftet." Stifer ist der Rentier Clemens Ruff. Der Wert der Stiftung wird auf 10.000 Mark geschätzt.

September 1914 "Wir haben die früher ganz vernachlässigten Eingangshallen im Westen und Südwesten unserer Oberkirche würdig bemalen lassen..." Quelle: Archiv. Sup. Cottbus Gewährung eines Zuschusses von 300 Mark aus dem Fond für Denkmalpflege

Juni 1915 "...im Haushaltungsplan wird die Summe von 15 000 M zum Zwecke der Umgestaltung des Oberkirchplatzes erneut eingestellt. Diese Umgestaltung sollte nach einem von Dr. Ing. Mäkelt entworfenen und vorgenehmigten Entwurfs zur Ausführung kommen. Der Hauptgedanke des Entwurfs war, die Kirche durch Terrassierung des Platzes mehr zur Geltung kommen zu lassen und dadurch das Werk der äusseren Wiederherstellung der Oberkirche, das in den Jahren 1910 und 1911 zur Ausführung gebracht war, zu vervollständigen bezw. zum Abschluss zu bringen. Seitens der Stadtverwaltung hat man aber von der Ausführung des Mäkeltschen Projektes abgesehen, und so sind die bewilligten 15 000 M aufs neue verfügbar geworden." Von dem eingesparten Gelde soll der Putz in einer der Vorhallen abgeschlagen werden und daraus eine Krieger-Gedenkhalle entstehen. Es wird nicht mehr dazu kommen. Quelle: Archiv. Sup. Cottbus A II Fach 5 Nr. 9

04.07.1917 Zum letzten Mal ertönt am Abend nach der Kriegsbetstunde das volle Geläut des Gotteshauses. Zwei Glocken aus dem Nachguss von 1910 werden „in veränderter Form“ den „Kampffronten zugeführt“. Dem von 1915 bis 1934 als Kirchbaupfleger bestellten Ing. Max H a n k e (1890-1971) wird diese Aufgabe übertragen. Das Herausnehmen im unbeschädigten Zustand ist derart kostspielig, dass sie noch im Glockenstuhl hängend zerschlagen werden

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Foto: Ev. KG St. Nikolai Kanzel von Andreas Schultze aus dem 17. Jahrhundert. Dahinter rechts der Soldatenchor des „52. Infanterieregiment von Alvensleben“. Heute hängen hier die Tafeln für die Gefallenen der Freiheitskriege, des Regiments 52 aus den Jahren 1866,1870/71, des Boxeraufstandes und des Hererokrieges in Südwestafrika.

07.05.1926 erhält der Gemeindekirchenrat der Ober- und Klosterkirchengemeinde die Baugenehmigung für den Bau eines Pfarrhauses und einer Spielschule in Sandow am Doll 7. Max Hanke übernimmt die Planungsarbeiten für das spätere Bodelschwingh-Gemeindehaus.

1933 Die Gemeinde und Kirche wird zu einem deutsch-nationale Zentrum der deutschen Christen in Cottbus. Fortan „wird eine Treue großgeschrieben, die nicht mehr Gott gilt. Ein Menetekel scheint es zu sein, dass in dieser Kirche Dr. Joachim Hossenfelder 1899 getauft und später auch konfirmiert wurde. Hossenfelder war einer der schlimmsten irrlichternden Theologen der Zeit; er war Cottbusser und der Gründungsvater der sog. Deutschen Christen und er hielt 1933 im Berliner Sportpalast eine programmatisch-diabolische Rede über den Unsinn des Alten Testamentes und den sog. Judengott.“ Predigt U.Weise zum Jubiläum 30 Jahre Turmhaube vom 24. Juni 2018

23.04.1945 Die Oberkirche brennt bis auf die Umfassungsmauern nieder. Ein deutscher Soldat berichtet bei einem späteren Besuch: "Um Mitternacht wurde die Stadt aufgegeben und alle Soldaten abgezogen. Von der Sandower Straße an der Südostecke aus, konnte ich aus unserem LKW ein Feuerschein im Dach sehen." Konnte das Feuer gelöscht werden? War es die Ursache für die Zerstörung der Kirche? Nicht wenige sagen es geschah erst nach dem Einzug der Soldaten der Roten Armee. Gründe dafür könnte es gegeben haben. Schon lange vor 1933 wurde die Oberkirche auch als deutsche Kirche bezeichnet im Unterschied zur Klosterkirche, die eben der wendisch sprechenden bevölkerung zugewiesen wurde. Sie blieb verschont. Nur die Lutherkirche war als einziges weiteres Gotteshaus in Cottbus zerstört, durch die Bombardierung vom 15. Februar 1945. Nach diesen Zerstörungen suchten viele Flüchtige eine Unterkunft. Im Pfarrhaus in der Gertraudtenstraße wurden ausgebomte Cottbuser aus der Forster Straße aufgenommen. Als die Front durch Cottbus zog, durchsuchten Soldaten auch dieses Gebäude. "Ein ein Rotarmist öffnete die Tür im Ergeschoss zum heutigen Sitzungsraum. Herr Hecht, ein Mitarbeiter des benachbarten kirchlichen Verwaltungsamtes, stellte sich vor diese Menschen. Im Türrahmen versperrte er den Weg hinein und büßte dafür seine Uhr ein." Quelle: Besucher des Ev. Zentrums ´Im Verwaltungsamt Lausitz hat sich über die vielen Jahre seit Kriegsende eine Zeichnung von 1946 erhalten. Sie gibt einen Eindruck vom Anblick der Zerstörung.


Foto: Ev. KG St. Nikolai Reproduktion einer Grafik von 1946. Rechts das unversehrte kirchliche Verwaltungsamt, erbaut 1927/28 vom Architekten Max Hanke. Mitte die ausgebrannte Oberkirche, links das ebenfalls zerstörte Kaufhaus.

1946 Der Cottbuser Hauptarchitekt und Leiter einer Baufirma Max Hanke (*22.01.1890 † 06.01.1971) kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück und beteiligt sich an den Sicherungsarbeiten für die Oberkirche. Die Aufräumungs- und Ausbesserungsarbeiten in und an der Oberkirche beginnen Anfang 1947, wie es sich aus den Arbeitsberichten der Baufirma Georg Sauer ergibt. Bis Ende 1949 wurde die Kirche von Schutt befreit, Ausbesserungen am Mauerwerk finden statt und der Glockenstuhl wurde unter der Bauleitung des Cottbusser Architekten Max Hanke wiederhergerichtet und eine Notbedachung errichtet.

1948 bekommt die Oberkirche ihre zwei alten großen Glocken und eine weitere kleine Glocke, die ursprünglich in der Lutherkirche war, zurück. Pünktlich zur Adventszeit 1949 erklingen sie wieder. 

1953 werden auch für die Betreuung der zahlreichen Flüchtlinge, Gottesdienste in Gaststätten wie der "Friedenseiche" in Branitz abgehalten. Als es zu immer mehr Schwierigkeiten und Störungen kommt, wird die Situation untragbar. Pfarrer Eugen WoIff gelingt es durch einen Grundstückstausch ein Stück Wald in Branitz zu erwerben. Der Bau eines massiven Gemeindehauses ist jedoch unmöglich. Dem Kirchenältesten Erich Rostalski gelingt es einen ausgedienten Eisenbahnwaggon zu erwerben, der als Gemeinderaum genutzt werden kann.

1954 durch die Abteilung „Aufbau“ beim Rat des Bezirkes Cottbus, erhält der Bauleiter die notwendige Holzzuweisung für 140 fm Bauholz, für die zweite Jahreshälfte. Architekt Hanke war überzeugt, dass das Holz im Winter 1954 zugeschnitten werden konnte und plante deshalb für den Sommer 1955 das AufstelIen des Turmabschlusses. Dieses Bauvorhaben kam nicht zustande. Grund dafür war die wiederholte Problematik der Holzlieferung. Das Fertigstellen des Hauptdaches zur 800-Jahr-Feier der Stadt Cottbus im Jahre 1956 konnte auch nicht erreicht werden. Bis Mitte 1955 war der bewilligte Kredit in Höhe von 115.000 DM anteilmäßig für Material- und Personalkosten am Hauptdach aufgebraucht. Der seit 1946 amtierende Pfarrer Eberhard Halle stellte zudem die Frage nach der Gestaltung des verbrannten Turmabschlusses, da die Gemeinde eine Neugestaltung forderte. Sie tendierte zu einer gotischen Haube, die der Architekt jedoch ablehnte. Hanke fragte bei der Denkmalpflege an, „ob wir in unserer heutigen Zeit das Recht haben, den Turm umzugestalten.“Er argumentierte: Irgendwann sei auch Cottbus eine Magistrale mit dem obligaten Hochhaus“.

05.06.1955 Der Altarraum wird von Generalsuperintendent Günter Jacob wiedereingeweiht. Das ganze Kirchschiff konnte erst 1980 erfolgreich fertiggestellt werden. In der Predigt zur Einweihung der Kirche spricht Jacob von: ...harten Auseinandersetzungen zwischen dem christlichen Bekenntnis und den bitteren Erfahrungen in den Gewittern des Krieges. ..

1961 nach längerem hin und her wird in Branitz der Ausbau des Eisenbahnwaggons staatlich genehmigt. Gustav Roos fertigt zwei Bauzeichnungen und verhandelt mit dem Stadtbaudirektor Müller darüber.

1963 aus einem alten Eisenbahnwaggon ist durch Umbauung ein festes, kleines, breiteres Haus geworden. Alles konnte nur so einfach wie möglich ausgeführt werden. Am 23. Juni fand der erste Gottesdienst im Gemeindehaus Branitz statt.

Juni 1963 Pfarrer Eberhard Halle gibt den Sebastian-Bach-Gemeindebezirk der Ober- und Schlosskirchengemeinde an Pfarrer Rauh - Perleberg ab. Pfarrer Rauh wird im Herbst 1961 gewählt. Die Wahl wird jedoch durch das Konsistorium nicht bestätigt und Pfarrer Rauh verlässt Cottbus in Richtung BerIin.

04.04.1963 Pfarrer Günther Bransch aus Spremberg wird als einziger Kandidat zur Pfarrwahl gewählt und in der Schlosskirche zu Cottbus durch Sup. Schüler eingeführt. Zum 01.05.1968 wird ihm die Pfarrstelle in Bad Saarow übertragen.

02.07.1966 Herr Pfarrer Eberhard Halle hat das 70. Lebensjahr vollendet und wird nach dem Pfarrdienstgesetz in den Ruhestand versetzt. Er suchte sich einen Alterswohnsitz, erwarb ein Wochenendgrundstück und ist in Cottbus geblieben. Sein Testament bedenkt die Ober- und Schlosskirchengmeinde sowie das Wichernhaus in Cottbus. Frau Halle hinterlässt der Kirchengemeinde viele Fotos vom Bemühen um ein normales Gemeindeleben, gemeinsamen Treffen, Ausflü- gen, Aufführungen, Laienspielen und dem Aufbau des Bonhoeffergemeindehau- ses in der Schillerstr. 56. Dazu ein kleines Bändchen mit Gedichten...

ein Pastor
Nein, ein Pastor kann nicht allen
Menschen immer wohlgefallen,
nicht den hohen Kirchenspitzen,
nicht den Herren, die drauf sitzen,
auch nicht - das ist jammerschade dem Gemeindekirchenrate,
nicht dem Superintendenten,
nicht dem klugen Pfarrkonvente,
auch nicht den Gemeindegliedern.

Wollte Wer was drauf erwidern? 
Ach, bedenkt doch: Täter allen Menschen immer wohlgefallen:
Obenauf den Kirchenspitzen
und den Herren, die drauf sitzen
und dem Superintendente
und dem klugen Pfarrkonvente
und auch den Gemeindegliedern,
ich, ich müsste drauf enNidern:
Mir ein schrecklicher Gedanke,
so ein Paster! Nein, ich danke! (E.H.)

1965 bis 1968 führte das Bauunternehmen Pabel & Co. die Arbeiten im Langhaus fort. Pfarrer Halle wendet sich im Mai an die stellvertretende Oberbürgermeisterin Nolte, da er befürchtete, dass die geplanten Arbeiten für die kommenden Jahre nicht ausgeführt werden könnten. Die Kirchengemeinde verursachte bereits im Jahr 1964 ungefähr 15.000 MDN Schulden. Zwar hatte sie einen Zuschuss in Höhe von 40.000 MDN aus dem sogenannten „Nuschkte-Fond“ erhalten, aber diese Summe reichte nicht aus, um die verlangten Anzahlungen zu decken. Neben der geplanten Fertigstellung der Turmhaube sollte auch ein neuer Fußbodenbelag, die Installation der elektrischen Heizung, die Errichtung der neuen Orgelempore sowie die Bestellung und Anfertigung der Orgel erfolgen.

1962/63 Die Kirche von Vorberg wird wegen des Braunkohleabbaus im Tagebau See-West abgetragen. Das Vorhaben, damit eine Museumskirche in Lehde auf- zubauen, wird vom Rat des Bezirkes Cottbus aus politisch-ideologischen Grün- den abgelehnt. Das Holz findet später beim Wiederaufbau der Orgelempore in der Cottbuser Oberkirche Verwendung. 500 Kubikmeter Feldsteine werden beim Bau der befestigten Straße von Lübbenau nach Lehde im morastigen Untergrund versenkt. Quelle: LR Lübbenau 10. Januar 2014

01.01.1966 wird der diakonische Dienst in der Gemeinde durch Einrichtung einer Schwesternstation in der Schulstraße 13 unterstützt. Für das Jahr 1963 meldet eine Gemeindeschwester 172 Kranken-, 227 Pflegebesuche, 4 1/2 Tagespflegen, 414 Fürsorgebesuche und 224 Beerdigungen. Die letzte in der Gemeinde tätige Fürsorgerin wird Marion Jurk sein, die danach als Sozialpädagogin in Cottbus tätig ist.

01.09.1966 Pfarrer Harald Bertheau wird zuständig für den Bonhoeffer Gemeindebezirk.


                                                   Foto: KG St. Nikolai Pfarrer Halle und Generalsuperintendent Jakob bei der Eröffnung der Ausstellung zum Wiederaufbau Oberkirche am 23.09.1970

1968 - 1974 übernimmt den Dienst des Gemeindepfarrers der von Superintendent Schüler eingeführte Ekkehard Runge, welcher Pfarrer Günter Bransch ablöst.

1971 wird ein neuer Nutzungsausschusses für die Oberkirche mit 18 Mitgliedern ernannt, dessen Leitfunktion  Superintendent Schüler übernahm.

1972 die Kanzel der Franziskanerkirche Frankfurt/Oder kommt in die Oberkirche



1973 wird ein Nutzungskonzept sowie eine Kosteneinschätzung in Höhe von 750.000 Mark aufgestellt. Der Entwurf sah vor, kleine und größere Veranstaltungsräume zu schaffen. Dafür sei der Einbau von WC-Anlagen, WaschmögIichkeiten, einer kleinen Teeküche sowie einer neuen Heizanlage nötig. Die Fertigstellung solle innerhalb von zwei Jahren bis 1976 erfolgen. Der Cottbuser Architekt Schuster war beim Rat des Bezirkes tätig und somit verantwortlich für die Rekonstruktion der Altstadt. Gleichzeitig war er auch Mitglied beim ‚Bauausschuss der Oberkirche‘. 1972 wurde der Architekt Hans Lehmann aus Kleinwelka bei Bautzen „auf Wunsch von Herrn OB Richter und Herrn Prof. Dr. Nadler zur Mitarbeit an der Investvorbereitung für die Fertigstellung der Oberkirche“ beauftragt.

Mitte der 70er Jahre kommt Hilfe durch das Limex-Sonderbauprogrammes der westdeutschen Kirchen. Mit den 1978/79 aus Devisenmitteln beschafften Materialien kann der Ausbau der Oberkirche für Gemeindezwecke (Toiletten, Küche, Winterkirche) und der Bau einer modernen Heizungsanlage begonnen werden. Beauftragt wird der städtische Baubetrieb und die Abteilung Wärme- und Lüftungstechnik heute Fima KOPF. Außerhalb der Kirche entstehen unter dem Oberkirchplatz unterirdisch ein Kohlebunker und ein Ascheaufzug mit „Laufkatze“.

26.01.1971 Die Gemeinde reagiert erschrocken darauf, dass ihr „solides, stattliches“ Pfarrhaus am Doll 7 (erbaut 1927) geopfert werden soll. Für 2 Pfarrer, Kindergartenleiterin, Hauswart nebst Familien muss eine neue Bleibe gefunden werden, Unterrichts- und Versammlungsräume gehen verloren. Pfarrer Triebler erinnert sich: "Das Pfarrhaus bildete zu seinem Umfeld, mit zum Teil alten Bauernkaten, einen kräftigen Kontrast. Im Januar 1971 zogen wir in das besagte Pfarrhaus in dem Bewusstsein: das wird nicht lange währen. Eine riesige Wohnung, ein 11m langer Flur, besonders schön zum Toben für die Kinder. Der erste Besuch war die soeben für das Gemeindebüro eingestellte neue Sekretärin Christel Liebscher. Sie kam mit dem Wunsch, doch einmal telefonieren zu dürfen... Die ersten wichtigen Amtshandlungen waren die Verhandlungen um das Pfarrhaus. Die Inanspruchnahme aufgrund eines Bebauungsplanes zur Satdtentwicklung war nicht mehr zu verhindern. Also mussten Bedingungen für einen friedlichen Vertragsabschluss zur Übergabe ausgehandelt werden. Zusammen mit Superintendent Schüler und dem Leiter des Kirchenbüros, Horst Sonnenberg, wurde lange verhandelt. Der Kindergarten durfte dabei stehen bleiben die Plätze wurden gebraucht, aber ohne eine Spielfläche nicht funktionstüchtig. Die Kirche konnte laut Gesetz kein Grund und Boden übertragen bekommen. Anfang Dezember 1972 drängte die Bauplanung auf die Räumung der Wohnung...Das Pfarrhaus musste trotz zäher Verhandlungen dem Abriss preisgegeben werden. Schmerzhafte Erfahrung und Signal beängstigender Veränderungen für die einen, Aufbruch und Herausforderung zu neuen Wegen der gemeindearbeit für andere." Quelle: aus: "...ein Kind seiner Zeit" von Wolfgang Triebler 2008

Am 1. Juli1975 erweitert das neue Denkmalschutzgesetz der Volkskammer den Begriff „Denkmalpflege“.  Ein wichtiges Merkmal wird die Einbeziehung der Bevölkerung mit den wirtschaftsleitenden Organen, den Betrieben und Einrichtungen bis hin zur nationalen Front. Dadurch gewinnt das Zusammenspiel zwischen Staat und Bevölkerung mehr an Bedeutung. 1977 bildet sich der Arbeitskreis Denkmalpflege Cottbus, der mit dem Rat der Stadt kooperiert.


Foto: Die abgerissenen Häuser der nahen Mühlenstraße dienen auch zur Beschaffung von Heizmaterial, um die Braunkohle in den Kesseln der Oberkirche verbrennen zu können. Ein Gemeindeglied erinnert sich 2008: „da wir 33 Jahre eine Bäckerei dort hatten, erinnere ich mich gut. Wegen eines schiefen Daches mussten wir damals für Pfennige heraus. Mein Mann ist darüber gestorben, weil alles renoviert war und ich mit nun 80 Jahren wäre auch gerne dort geblieben.“

1976 ersucht der Gemeindekirchenrat die 1. Pfarrstelle der Ober- und Schlosskirchengemeinde wieder zu besetzen, die für den Superintendenten vorgesehen war, da mit dem Ausbau der Oberkirche Mehrarbeit auf den jetzigen einzigen Pfarrer zukommt ...  Bis zum 28.02.1989 bleibt Harald Bertheau jedoch einziger Pfarrer an hiesiger Kirche, da der Sitz des Superintendenten zur Lutherkirche wechselte.

01.10.1979 wird die Oberkirche in die Bezirksdenkmalliste aufgenommen „wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen bzw. wissenschaftlichen Bedeutung für die sozialistische Gesellschaft.“  In der Denkmalerklärung wird durch den Rat der Stadt Cottbus die  „Verpflichtung festgehalten, das Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

1980 ist die Bauphase des Innenausbaus abgeschlossen. Ein Jahr später wird auch die Bauhöhenbeschränkung durch das Ministerium für Verkehrssicherheit aufgehoben, da sich die Situation der Flugsicherheit über Cottbus aufgrund der Verlegung der bis dato hier stationierten Kampfflugzeuge veränderte. Noch im selben Jahr beauftragte der Gemeindekirchenrat den Architekten und Bezirksdenkmalpfleger Peter Schuster und den Statiker Peter Thieme mit der Anfertigung einer Studie für den Wiederaufbau der barocken Haube.

Okt. 1981 Architekt Peter Schuster wird mit der Planung und Konstruktion einer Turmhaube beauftragt, nachdem es keine Einwände mehr aus flugsicherungstechnischen Gründen gibt. Das Team wird ergänzt durch den Statiker Dr. Peter Thieme, Lothar Woskowski und Horst Kleemann.

01.04.1982 findet auf Einladung des Gemeindekirchenrates eine Beratung zur Turmhaube mit dem Oberbaurat Richter, Denkmalpfleger Nadler, den Cottbuser Stadtarchitekten, Schuster, Thieme und Kittel und den kirchlichen Vertretern, Pfarrer Bertheau, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Rainer Jurke und Generalsuperintendent Richter statt. Das Ergebnis dieses Treffens führte zu der Übereinstimmung, „daß als Turmabschluß die barocke Form der Turmhaube zur Ausführung kommt.“ Prof. Nadler, der als einziger seit Anfang der 1950er Jahre dabei war, klärte die Beteiligten über die Entwurfsfindungen der letzten Jahrzehnte auf.

1. Okt.1983 erfolgt die Berufung von Wilfried Wilke als Kantor und Organist der Oberkirche. Da es keine große Orgel gibt ist der A-Kirchenmusiker an der Klosterkirche angestellt. Alles was die Gemeinde hat ist ein Chor, eine Altarorgel und seit 1975 ein großes leeres Orgelgehäuse, aus dem Bläser bei Advents- und Weihnachtsmusiken schon Teile zur Erinnerung verschenkten.

1984 kann nach jahrelanger Spendensammlung die Firma Eule in Bautzen mit dem Bau der Orgel beauftragt werden. Es entsteht ein Instrument mit 3 Manualen, austauschbarem Pedal und über 50 Registern.  Das Gehäuse muss dazu vergrößert werden und ein Spieltisch mit elektronischer Registrierung der Firma Otto Heuss wird eingefügt. Über den Bau der Orgel dreht der Kameramann Rainer M. Schulz für die DEFA den Dokumentarfilm „Geburt einer Königin“ (Regie: Jochen Kraußer).


Foto: KG St. Nikolai Blick in die neue Orgel

1.1.1986 Die Gemeinde wird zur Oberkirchengemeinde Cottbus umbenannt.

26.04.1987 der Bezirksvorstand der Christlichen-Demokratischen Union Deutschlands veranstaltet eine Delegiertenkonferenz und ein Konzert mit dem Dresdner Kreuzchor. Es erklingen wohlbekannte Werke, die uns in unserer Motivation im Ringen um die Sicherung des Friedens, für Menschenwürde und sozialen Fortschritt bestärken. Zitat Karl-Heinz Kretschmer, Vorsitzender des Bezirksvorstandes CDU.

08.10.1987 wird Richtfest der Turmhaube gefeiert. Es gibt belegte Brötchen, 1 Faß Bier sowie einige Flaschen Korn.


                                                   Foto: Pfarrer Bertheau schlägt den letzten Nagel ein.

Feb. 1988 trifft sich trotz heftiger Diskussionen, dass größte Netzwerk kirchlicher und außerkirchlicher Friedens-, Ökologie- und Menschenrechtsgruppen der DDR: "Frieden konkret“ in der Oberkirche. Das Thema des Seminars ist hochbrisant: die politische Rolle der Gruppen… Das Zusammentreffen wird von einem Großaufgebot der Staatssicherheit belagert, die wie Ameisenkolonnen die Oberkirche Tag und Nacht umrunden. Die Oberkirche als Stätte für „öffentliche“ Aktion fand bereits früher gefallen. Nach einem Ostermontagsgottesdienst entrollen zwei Männer vor dem Altar ein Transparent gegen die Arbeitspflicht an diesem ehemaligen Feiertag.

10.03.1988 Pfr. Bertheau berichtet über ein Gespräch beim Stadtrat für Kultur betreffs einer Mitnutzung der Oberkirche für 1-2 Konzerte im Jahr durch den Rat der Stadt. Der Rat der Stadt/Abt. Kultur bewilligt für die Fertigstellung der Turmhaube190 TM aus dem Kulturfond.

04.05.1988 Die Firma Bauklempnerei Ludwig Winter aus Schirgiswalde erklärt sich bereit, die Kupferarbeiten bis Mitte Juni durchzuführen. Die Oberkirche wird deshalb zur Werkstatt mit Kantbank und allerlei Handwerkszeug. Die Zeit drängt, denn die Wetterfahne ist bereits fertiggestellt und zeigt das Jahr 1987.

09.06.1988 wird beschlossen, wegen der Vorverlegung des Aufsetzens der Turmhaube auf 9 Uhr, wie von der Feuerwehr gefordert wurde, den Gottesdienst auf 17 Uhr zu legen. Vorm und beim Aufsetzen werden die Posaunen blasen, gleich nach dem Aufsetzen soll geläutet werden.

19.06.1988 Die Turmhaube wird um 13.00 Uhr unter der Anteilnahme vieler Cottbuser, begleitet von Bläsermusik des Allianz Bläserchores, auf die Oberkirche aufgesetzt und damit der Wiederaufbau vollendet.


                                       Foto: Annelie Goethe (aus Ihrem Fenster)

08.09.1988 Lässt sich überblicken, dass ....Die Gesamtkosten der Turmhaube 294.182,01 M (ohne BIitzschutzleitung) betragen. Davon durch staatliche Beihilfen finanziert 190.144,40 M und vom Konsistorium 15 TM. Es verbleiben für die Gemeinde (Kosten) 89.037,61 M.

1989 wird das Amt von Pfarrer Bertheau an Pfarrer Christoph Polster aus der Bodelschwinghgemeinde als Vakanzverwalter übergeben. Später wird er Pfarrer der Oberkirche bis zu seinem Ruhestand 2015.

Im Herbst 1989 wird die Oberkirche St. Nikolai an das kommunale Fernwärmenetz der um die Kirche entstandenen Neubauten angeschlossen. Eine Umstellung war durchaus sinnvoll, da die Luftverschmutzung inmitten der City durch die Braunkohle erheblich und weithin sichtbar war. Nach Ausführung der Planungen durch das Ingenieurbüro Thieme begann die Fa. WOLF mit der Errichtung der notwendigen Umformstation und Regeltechnik im Keller. 

Darüber, in den Montagsdemonstrationen deutete sich plötzlich eine politische Veränderung an. Kurzentschlossen wurden wichtige Bauteile die aus den „Bruderländern“ Rumänien und Bulgarien kamen abbestellt und in Westdeutschland eingekauft. Der Heizungsbau musste dann auch, in einem neuen politischen System, in Deutscher Mark bezahlt werden.

1990  Amtseinführung Pfr. Hallmann 

ENDE Teil I