Am Hochaltar der Oberkirche stehen die Besucher vor seiner gewaltigen Bildsprache, die aus dem Glaubensbekenntnis erwächst. Leben, aus dem Tod auferstanden, steht groß im Mittelpunkt und zieht den Blick auf sich. Der Altar "spricht", erzählt von Hoffnung und GOTT-Vertrauen.

Am Altar ist ebenfalls das Antependium zu sehen - und wirkt mit seiner großen und tiefen Aussage. Entstanden in der Nachkriegszeit der 50-ger Jahre geht es auf "zwei Schwestern" zurück. Nähere Umstände liegen noch im Dunkel, Klärungen werden gesucht.

Was sieht der Betrachtende?

Versteckt, unsichtbar und doch deutlich erkennbar begegnet das Entsetzen angesichts des millionenfachen Mordes an Israel in der Nazizeit. Aufgewacht aus jahrhundertelanger ausgrenzender, erniedrigender Haltung gegen Juden wird in das weiße Tuch die neu erwachsende Erkenntnis eingewoben und die Besinnung auf den Ursprung erkennbar. Kirche ist auf das engste mit Israel verbunden. Das Christussymbol des CHIRHO steht auf dem Grund des Davidsternes. So wird das mit - und ineinander der beiden "Glaubensweisen" (Martin Buber) angedeutet.

An den Rändern "fliegen" Schmetterlinge. Sie gelten seit Jahrhunderten als Zeichen der Auferstehung und der damit verbunden gedachten "Verwandlung". So schlagen diese Schmetterlinge den Bogen zur Auferstehungsaussage des Hochaltars. Zugleich aber geben sie der Hoffnung Ausdruck und stehen für den Wunsch nach einem neuen Verstehen, nach einem neuen Verhältnis zu Israel.

Viel Geschichte, viel Hoffnung, viel Auferstehung ist eingewebt in dieses Stück Tuch, das in Ehren ergraut ist. Besucher der Kirche begegnen seinen Gedanken, die Gottesdienstgemeinde wird von diesem besonderen Antependium durch das Kirchenjahr begleitet.

Dankbar lebt und erlebt die Gemeinde St. Nikolai heute die Nachbarschaft mit der Jüdischen Gemeinde.

Pfarrerin Johanna Melchior